
Vor Beginn der eigentlichen Konzertreise der Jugendlichen aus dem bolivianischen Urubichá durch Deutschland steht für die jungen Musiker ein Workshop an: Gemeinsam mit der Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung e.V. und mit dem wohl bekanntesten Fachmann für bolivianische Barockmusik aus den ehemaligen Jesuitenreduktionen, Pater Piotr Nawrot, wird in Remscheid und Essen musiziert und gelernt – der Spaß steht am Anfang des Deutschlandaufenthaltes an erster Stelle.
Herbert Fiedler, Dozent an der Akademie in Remscheid, will den Jugendlichen zeigen, dass man auch mit Besenstielen und Basketbällen Musik machen kann. Und: Der ganze Körper soll in das Musizieren einbezogen werden. Der Musikpädagoge ist Fachmann für die musikalische Erziehung von Kindern und Jugendlichen.
Die Jugendlichen werden während des Workshops mit Pater Piotr Nawrot SVD musizieren und von ihm lernen. Er war einer der ersten, der systematisch die Musik der untergegangenen Jesuitenreduktionen erforschte. Zuerst in Paraguay, dann in Bolivien suchte der gebürtige Pole aus Poznan nach den Resten von Noten der Barockzeit. Es gelang ihm, die „Misa San Xavier“ zu rekonstruieren, wahrscheinlich die erste bolivianische Barockmesse zu Ehren des Hl. Franz Xaver. Komponiert und aufgeschrieben durch Francisco Varayu in der Sprache der Chiquitanos. Piotr Nawrot begeisterte zumeist jugendliche Musiker für die Tradition ihres Landes und wurde als Anerkennung dafür zum Direktor des renommierten lateinamerikanischen Barockmusikfestivals „Misiones de Chiquitos“ ernannt. Vor kurzem wurde seine inzwischen international anerkannte Arbeit durch die Simon-Guggenheim-Stiftung prämiiert. Das Preisgeld setzte er für Forschungen ein, die zeigen sollen, welchen Einfluss die Indígenas selbst auf die Barockmusik in Lateinamerika hatten.


